Chagalls graphisches Werk
 
Marc Chagall
 
Chagall hat etwa zweitausend graphische Werke produziert, darunter elfhundert Lithos und sechshundert Radierungen. Hinzu kommen noch Holzschnitte und Linolschnitte. Die Möglichkeiten, die diese unterschiedlichen graphischen Techniken bieten, inspirierten Chagall in hohem Maße. Auch die Reproduzierbarkeit dieser Kunstäußerungen war für Chagall wichtig. Auf dieser Weise konnte er seine Kunst in Büchern veröffentlichen und damit ein großes Publikum erreichen. Das hat er vor allem mit den höheren Auflagen seiner Lithos zu erreichen versucht.

Chagall experimentierte auch gerne mit Reproduktionstechniken, die nicht zu den Kunstdrucken gerechnet werden, wie z.B. spezielle Farbdrucke, Kollotypie Printing und Pochoirs.

Lithos

Weil er in Berlin unter anderem über zu wenig Raum verfügte um malen zu können, erschienen 1922/23 seine ersten (schwarz-weiß) Lithos. Es sollte noch dreißig Jahre dauern, bevor die Lithographie so weit verfeinert war, daß er in Farblithos eine volwertige Kunstäußerung sehen konnte. Erst in 1954 bekam er das Gefühl, daß die Lithosteine ihn wie Talismänner herausforderten, und daß er sie in seiner Macht hatte. Danach folgte eine unvergleichlich große Menge an Farblithos aus Chagalls Hand.

Hohe Auflagen ermöglichten es, daß seine Kunst nicht nur den Eliten vorenthalten blieb, sondern für viele zugänglich wurde, sodaß er Botschaften dadurch verbreiten konnte. Der überwältigende Erfolg seiner Reihe Pariser Farblithos aus dem Jahre 1954 brachte ihn dazu, Farblithos für alttestamentliche Geschichten zu produzieren: in 1956 'La Bible' und in 1960 'Dessins pour La Bible'.

Radierungen

1922 machte Chagall für seinen autobiographischen Roman 'Ma vie' 26 Radierungen. Sie waren seine erste graphische Arbeit. Bis an sein Lebensende hat Chagall Radierungen gemacht, und fast immer für Bücher, in vervollständigten Reihen, wie ein Dichter der eine Gedichtsammlung veröffentlicht. Einer der Höhepunkte bildet der Band mit dreißig Aquatintradierungen für die 'Psaumes de David' (1979).

Übrige Kunstdrücke

Holzschnitte

Die schönsten Holzschnitte verfertigte Chagall für die einzige Gedichtsammlung aus seiner Hand, genannt 'Poèmes' (1968). Allein für diese Ausgabe benötigte er hundertundvierzig Holzblöcke. Die Wuyt-Kollektion verfügt über einen kompletten Druckgang einer solchen Farbholzschnitzarbeit, gemacht mit sechs Holzblöcken. Diese Serie bietet mehr Einsicht in Chagalls Arbeitsweise.

Linolschnitte

Im Jahre 1939 erschuf Chagall seinen ersten Linolschnitt. Sein zweiter Linolschnitt (gleichfalls ein Holzschnitt) datiert aus dem Jahre 1960. Erst gegen Ende seines Lebens, als ihm die Arbeit auf Holzblöcke physisch zu schwer wird, und die verfeinerte Arbeit auf der Radierplatte ihm nicht mehr gelingen will, widmet er seine Arbeit wieder dem Linoleum zu. Ein Jahr vor seinem Tot erscheint eine Reihe mit sechs Linolschnitten, seine letzte, in Buchform veröffentlichte Arbeit.

Drucktechnike

Pochoirkolorite

Die Pochoirkolorit ist eine schablonenhafte Technik, die am Anfang des 20. Jahrhunderts, z.B. in Arbeiten der Art-Deco, gerne angewendet wurde. Um in den Farben Nuancen zu kreieren, erfand Jacomet später eine ingeniöse, aber zeitaufwendige und sehr schwierige Arbeitsweise mit erstaunlichem Resultat. In den Jahren 1957-1958 hat Chagall einmal eine Sammlung mit 13 Pochoirs veröffentlicht: 'Couleur amour'. An der Auflage von 320 Exemplaren muß Jacomet Monate lang gearbeit haben. Sie erschien auf, für diese Gelegenheit, einmalig geschaffenes Büttenpapier.

Granolithos

Bei Granolithos handelt es sich um echte Lithos, wobei die einzigartige Lithoplatte jedoch auf photographische Art und Weise hergestellt worden ist. Erst nach weitgehenden Entwicklungen auf photographischem Gebiet ist es gelungen, ein originelles Schwarzweißlitho auf eine lichtempfindliche Schicht einer aufgerauhten Zinkplatte zu übertragen. Dadurch erhält man eine Lithoplatte, die der einmaligen Lithoplatte oder dem Lithostein, die der Künstler damals angefertigt hat, gleich ist. Um von dieser Platte Lithos drucken zu können, ist die gleiche Technik wie bei den originellen Platten/ Steinen erforderlich. Für Farblithos ist es notwendig, die Farben eine nach der anderen auf einzelne Platten zu übertragen. Seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist diese Technik so verfeinert, daß der Unterschied nur aufgrund sekundärer Merkmale (Art des Papiers und der Tinte, Präzision der Verarbeitung, usw.) festgestellt werden kann. Vor allem die Resultate der 'Lichtdruck AG Zürich/Düsseldorf' sind erstaunlich gut. Dort erschien die deutsche Neuauflage von Chagalls Lithos bei der Odyssee (Mourlotnummern 749 bis 830) in einer Auflage von 2500.
Das Granolitho ist aus oben erwähnten Gründen äußerst betrügerisch und die Verlockung, ein Granolitho als ein originelles Litho in den Handel zu bringen, sollte ein Grund für Chagalls Erben werden (und in einigen Fällen auch für Chagall selber), an dieser Technik nicht mitzuarbeiten. Die Granolithotechnik wird oft bei Fälschungen angewendet. Unter anderem die Farblithos, die von den Vorstudien der Jersualemfenster gemacht worden sind, wurden so in hoher Auflage in den Handel gebracht.

Kollotypie - Lichtdruck

Eine besondere Art und Weise des photographischen Farbdrucks, die, was die Farben betrifft, besondere Resultate hervorbringen kann, ist die Kollotypie. Die PHOEBUS-Serie von zehn Gouachen aus seinen Anfangsjahren, die er in Amerika verbrachte, ist dafür ein fabelhaftes Beispiel.

Farbdrucke

Weil bei Chagall die Farben eine allesüberherrschende Rolle spielen, muß die Ausführung, wenn vermieden werden soll, daß das Resultat auf das Niveau von Toilettenkalenderbildern heruntersinkt, perfekt sein. Ein schmerzliches Beispiel für eine schlechte Arbeit ist die deutsche und niederländische Ausgabe der 'Bibel mit Werken von Marc Chagall'. Nur selten gelingt es ein gutes Resultat zu erlangen. Es gibt einige Ausgaben, über die Chagall positiv war, z.B. über die vier Abbildungen in dem Buch 'Le cirque d'Izis' und über die Farbdrucke bei dem Gedichtband von Leopold Sedar Senhor: 'Lettres d'hivernage'.

 
=weiteres finden Sie unter Kollektion=

 
Copyright ©2009 Wuyt